Teil II · 2 Min. Lesezeit

Als ein Abschied körperlich wurde

Mein Kind weinte, klammerte sich an mich und wollte nicht loslassen. Dann wurde es mir aus den Armen genommen. Auch ich hatte den Abschied zu lange werden lassen, weil ich nicht loslassen konnte. Aber ein Kind darf nicht erleben, dass Erwachsene seinen Körper zum Austragungsort ihres Konflikts machen. Es gibt Bilder eines Abschieds, die ein Kind nicht tragen sollte. Es braucht Erwachsene, die Halt geben, statt an ihm zu ziehen.

Die Szene

Bei einer Übergabe weinte mein Kind und klammerte sich an mich. Dann wurde es mir aus den Armen genommen. Eine vertraute erwachsene Person aus dem Umfeld beendete den Abschied körperlich. Auch ich hatte den Abschied zu lange werden lassen, weil ich nicht loslassen konnte. Aber kein Kind darf erleben, dass Erwachsene seinen Körper zum Austragungsort eines Konflikts machen.

Das Bild des Kindes

Ein Kind kann eine notwendige Übergabe als schwer erleben, ohne dass jemand böse handelt. Wenn ein Abschied körperlich beendet werden muss, braucht es Ruhe und die klare Botschaft: Deine Gefühle sind erlaubt. Du bist für die Gefühle der Erwachsenen nicht verantwortlich.

Die Akte

Die entscheidende Frage ist nicht, wer „gewonnen“ hat. Die Frage ist, ob der Übergang so vorbereitet war, dass kein Erwachsener am Körper des Kindes eine Konfliktentscheidung treffen musste.

Mein Fehler

Auch ich hätte den Abschied früher strukturieren müssen. Je länger ich festhielt, desto schwerer konnte das Loslassen werden. Mein Wunsch nach noch einer Minute konnte zusätzlichen Druck erzeugen.

Was ich heute anders machen würde

Ein festes Ritual, ein klares Zeitfenster und – bei wiederholter Eskalation – eine neutrale, geschulte Begleitung. Niemand verlängert den Abschied endlos; niemand beendet ihn ruckartig.

Der Dreisatz für Betroffene

Abschiede vorab planen. Freunde und Angehörige nicht mit körperlich aufgeladenen Übergaben alleinlassen. Die Szene dokumentieren, ohne dem Kind später eine Deutung einzureden.

Dieser Text schildert persönliches Erleben und zeitnahe Eigendokumentation. Er ist keine gerichtliche Tatsachenfeststellung, keine Rechtsberatung und keine fachliche Bewertung beteiligter Personen. Alle Beteiligten sind anonymisiert.